3.4 Was passiert in unserem Gehirn?

Okay wir lernen gerade, dass wir von unserem Umfeld beeinflusst werden. Warum ist das so?

Es wird jetzt ein bisschen kompliziert, aber ich versuche es trotzdem einfach zu erklären. 🙂

Wer steuert unser Verhalten?

Stell Dir vor, Du siehst den Löwen in freier Wildbahn:

Ein Löwe
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Sobald wir ihn mit unseren Augen wahrnehmen, werden durch den ParasympathikusImpulse an das Nebennierenmark gesendet, die dort eine schlagartige Freisetzung von Adrenalin bewirken, das u. a. das Herzminutenvolumen, die Körperkraft (Muskeltonus) und die Atemfrequenz erhöht.“, damit wir körperliche Höchstleistungen vollbringen können und vor dem Löwen wegrennen.

Unser Nervensystem ist verantwortlich dafür und steuert also unsere Handlungen/Reaktionen.

 

Das ist ein Bild unseres Nervensystems:

Nervensystem des Menschen
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Unser Gehirn verarbeitet hochdifferenziert Sinneswahrnehmungen und koordiniert komplexe Verhaltens­weisen. Es ist somit der Speicher für alle komplexen Informationen, die der Organismus verarbeitet.

Es ist also die Steuerzentrale von uns Menschen. 🙂

Es gibt verschiedene Arten von Steuerungen. Die aktive/bewusste Steuerung durch das somatische Nervensystem (z.B. Muskeln) oder die automatische/unbewusste Steuerung durch das vegetative Nervensystem (z.B. Herzschlag, Atem).

In unserem Gehirn finden eine Menge Veränderungen (neuronale Plastizität) statt.

Wenn wir aufwachsen, dann verändern wir uns langsam mit der Zeit. Das hast Du bestimmt auch schon gemerkt 😀

Was sind das für Veränderungen?

Um die Veränderungen besser zu verstehen, müssen wir grob wissen, was im Gehirn abläuft.

Es gibt Neuronen (Nervenzellen) und Synapsen.

Neuronen

Neuronen (Nervenzellen) sind auf die Erregungsleitung und Erregungsübertragung spezialisiert.

Neuron
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Um die 86 Milliarden Neurone müssen ständig miteinander kommunizieren, damit der Mensch fühlen, handeln, denken kann. In Millisekunden finden an tausenden Zellen komplexe chemische und elektrische Prozesse statt – für eine einzige sinnvolle Handlung.

zwei Nervenzellen unterhalten sich
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Neuronen können, wie Bäume, Äste wachsen lassen oder alte Äste verlieren.

Synapsen

Synapsen sind die Stellen, in denen die Nervenzellen in Verbindung stehen. Durch Synapsen können Signale übertragen werden.

Synapse
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Synapsen können erschaffen und eliminiert werden, sie können größer oder kleiner werden.

Im Internet gibt es viele Seiten bei denen Du über den Aufbau oder die Erregungsübertragung von Synapsen lernen kannst.

Warum gibt es nun diese Veränderungen im Gehirn? Was ist die Ursache dafür?

Zum Teil sind diese Veränderungen von unseren Genen vorprogrammiert ist, das stimmt.

Aber das ist nicht die ganze Geschichte!

Es gibt elektrische Signale, die die neuronalen Äste entlangwandern, und chemische Signale, die von Ast zu Ast springen.

Diese Signale nennt man neuronale Aktivität.

 

A. Es gibt eine Menge Hinweise, dass in neuronaler Aktivität unsere Gedanken, Gefühle und Wahrnehmung sowie unsere geistige Erfahrung verschlüsselt ist.

Die Hirnforscher sind sich einig, das alles, was wir erleben, wahrnehmen und denken, ein Resultat der Aktivitäten des Gehirns ist.

Wir sind unsere Nervenverbindungen und daran besteht kein Zweifel.
Was wir mögen, was wir akzeptieren, was wir erkennen, sogar unsere Sinne, werden durch diese Nervenverbindungen beeinflußt. Darum vergisst eine Person mit Alzheimer-Krankheit ihren Namen oder weiß nicht mehr, wie man einen Kaffee herstellt. Teile ihrer Neuroverbindungen sind negativ betroffen.

 

B. Und es gibt eine Menge Hinweise darauf, dass neuronale Aktivität unsere Verbindungen verändern kann.

Wir wissen also auch als Tatsache, dass sogar der Akt des Denkens die physische Struktur unseres Gehirns verändert. Neue Erfahrungen formen unser Gehirn, unsere Nervenverbindungen. Selbst wenn wir mit einer spezifischen Nervenverbindung geboren werden, ist das Gehirn so plastisch, dass es sich verändern kann. Aus diesem Grund haben sogar genetisch identische Zwillinge unterschiedliche Nervenverbindungen.


Wenn wir diese beiden Tatsachen zusammennehmen bedeutet dies, dass unsere Erlebnisse unser Konnektom verändern können.  Aus diesem Grund ist jedes Konnektom einzigartig, sogar solche von genetisch identischen Zwillingen.


Was ist ein Konnektom?

Als Konnektom wird die Gesamtheit aller Verbindungen im Nervensystem eines Lebewesens bezeichnet. Forscher versuchen den Schaltplan unseres Nervensystems aufzuschlüsseln.

In diesem Bild kannst du sehen, wie die Verbindungen der Nervenzellen im Gehirn eines Jungen am Computer farblich durch die Diffusions-Tensor-Bildgebung dargestellt werden. Normalerweise sind sie natürlich nicht mit dem bloßen Auge sichtbar und auch nicht so bunt😀

Nervenverbindungen eines Jungen
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Im Konnektom treffen sich Veranlagung und Erziehung. Nur der bloße Akt des Denkens kann unser Konnektom verändern. Eine Idee, die wir als bereichernd empfinden können.

Aus A + B = wir sind unsere Erfahrungen

 

Menschen sind so verschieden voneinander, aber in vielerlei Hinsicht sehr ähnlich. Beide Fälle sind durch unterschiedliche oder ähnliche Erfahrungen geprägt.

Das Wissen stammt aus diesem genialen TED Vortrag von dem Gehirnforscher Sebastian Seung (es gibt deutsche Untertitel).
Ihn anzuschauen ist sehr empfehlenswert!

Außerdem finden sich im Internet viele Videos und Bücher. Das ist ein riesengroßes Thema aber ich möchte Dir nur das Relevante vermitteln 🙂


Also zusammengefasst verändern unsere Erlebnisse unser Konnektom.


Das macht ja auch Sinn 😀

Ein persönliches Beispiel:

Früher hatte ich nie Angst vor Hunden. Aber als Kind gab es eine Situation, wo mich ein Hund verfolgt hat und ich panisch weggerannt bin. Seitdem hatte ich Angst vor Hunden. In meinem Gehirn hat sich also sie negative Assoziation/ Verknüpfung gebildet: Wenn ich einen Hund gesehen habe, hatte ich Angst.

Mit der Zeit hat sich das aber wieder verändert, weil ich beobachtet habe, wie andere Menschen mit Hunden umgehen und dass nicht jeder Hund gleich drauf los bellt. Ich habe also gelernt, dass ich vor Hunden ruhig bleibe und habe auch super freundliche Hunde getroffen. 🙂 Wenn mich ein Hund anbellt, renne ich nicht weg, weil ich gelernt habe, dass sie mich dann verfolgen. Deshalb bleibe ich ruhig  😀

Hier sehen wir also, dass ich dazu gelernt habe 🙂

Der nächste Artikel geht näher aufs Lernen  ein und handelt von Wolfskindern. Davon hast Du bestimmt noch nie gehört, also sei gespannt.

 

Bis dahin. Machs gut 🙂

Aaron 🙂

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